Beim Hochwasser am Donnerstag sind auch in Osthessen viele Grundstücke überschwemmt worden - Foto: privat

REGION Kaufbelege aufheben

Welche Versicherung zahlt beim Hochwasser? Schaden gut dokumentieren

12.05.18 - Um zügig an das Geld zu kommen, sollten Hochwasser-Schäden so schnell wie möglich dem Versicherer gemeldet werden. Das sollte unbedingt erfolgen, bevor Aufträge an Handwerksbetriebe vergeben werden.

Direkt nach einem Unwetter sollte der Schaden so gering wie möglich gehalten werden. Zerstörte Fenster können provisorisch abgedichtet werden, um das weitere Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Herumliegende Gegenstände, wie abgebrochene Äste, Dachziegeln oder Dachrinnen, sollten möglichst weggeräumt werden. Dokumentieren oder belegen Sie den Schaden: Der Schaden sollte möglichst anhand von Fotos und Kaufbelegen dokumentiert und so schnell wie möglich dem Versicherer gemeldet werden.

Wer sein Haus oder Inventar gegen Starkregen oder Hochwasser absichern will, braucht den erweiterten Naturgefahrenschutz (Elementarschadenversicherung). Diesen gibt es als Zusatzbaustein zur bestehenden Wohngebäude- oder Hausratversicherung. In neueren Policen ist der Baustein oft schon enthalten. Bundesweit bieten rund 130 Versicherer diesen Schutz an.

Über ein Drittel der Hessen sind gegen Starkregen versichert

36 Prozent der Wohngebäudebesitzer in Hessen haben sich gegen Schäden durch Überschwemmungen versichert. Vor fünf Jahren – vor dem schweren Hochwasser 2013 – waren es nur 21 Prozent.  Das belegen aktuelle Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Damit liegt Hessen dennoch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 41 Prozent (Vorjahr rund 40 Prozent).

Für die Eigentümer der rund 800.000 nichtversicherten Wohnhäuser Hessens bleibt bei Starkregenschäden nur der Griff in die eigene Brieftasche. Das Problem: Viele Eigentümer unterschätzen die Überflutungsgefahr durch starke Regenfälle für ihr Haus. Oder sie schätzen den Umfang ihrer Wohngebäudeversicherung falsch ein. In vielen älteren Verträgen sind oft nur die Naturgefahren Sturm und Hagel versichert, nicht jedoch Starkregen und Hochwasser. Der fehlende Zusatzbaustein Naturgefahrenversicherung kann in fast allen Verträgen fürs Haus problemlos ergänzt werden. Eigentümer sollten prüfen, ob ihr Vertrag alle Naturgefahren einschließt.  

Überschwemmungen können Häuser zerstören. Die finanziellen Folgen für den Neuaufbau übernimmt die Versicherung. „Hausbesitzer sind gut beraten, ihr Wohneigentum gegen alle Wetterrisiken abzusichern“, sagt Wolfgang Weiler, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Auf Staatshilfen lässt sich nicht hoffen: Die Ministerpräsidenten der Länder verständigten sich vergangenes Jahr darauf, Hilfsgelder nur noch an jene auszuzahlen, die sich erfolglos um eine Versicherung bemüht haben oder denen ein Versicherungsangebot zu wirtschaftlich unzumutbaren Bedingungen angeboten wurde. Mehr als 99 Prozent der Gebäude in Deutschland sind problemlos versicherbar. Auch die verbleibenden, besonders gefährdeten Häuser können fast alle mit Selbstbehalten oder nach individuellen baulichen Schutzmaßnahmen versichert werden.

Was die Elementarschadenversicherung leistet

Die erweiterte Naturgefahrendeckung - in der Fachsprache Elementarschadenversicherung - sichert Schäden durch Hochwasser, Starkregen, Schneedruck, Erdrutsch, Erdsenkung und Erdbeben ab. Die Versicherung kommt für Reparaturen im und am Gebäude auf, bezahlt beispielsweise die  Kosten für das Abpumpen und  die Trockenlegung und übernimmt – falls nötig – auch die Kosten für den Abriss und kompletten Wiederaufbau des Hauses. Zerstörtes Inventar, wie Möbel oder Elektrogeräte sind eine Sache für die Hausratversicherung mit erweitertem Naturgefahrenschutz. Die Police übernimmt die Reparaturkosten für den gesamten beschädigten Hausrat und erstattet bei vollständiger Zerstörung den Wiederbeschaffungspreis. (pm) +++


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